The History - The World Of Bluesbird

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The Spirit Of Hollister




History


Hollister, die kalifornische Kleinstadt rund 150 Kilometer südlich  von San Francisco, hatte sich feingemacht: Die zweistöckigen Häuser  entlang der Hauptstraße waren frisch getüncht. Aus den Jukeboxen der  Kneipen klangen Bebop- und Bigband-Sounds. Männer trugen breitkrempige  Hüte, die Frauen weite Röcke. Zum ersten Mal seit Ende des Zweiten  Weltkriegs hatte die American Motorcycle Association (AMA) wieder zu  einem Amateurrennen eingeladen. 4000 bis 5000 Gäste aus ganz Amerika  wurden zur dreitägigen sogenannten Gypsy-Tour erwartet, die am 3. Juli  1947 begann, dem Vorabend des amerikanischen Unabhängigkeitstages.
      
In der Illustrierten "Life" erschien einige Tage später, am 21. Juli,  ein Bild von jenem Wochenende in Hollister. Fotograf Barney Peterson  hatte es ursprünglich für den "San Francisco Chronicle" gemacht. Zu  sehen war darauf ein offensichtlich sturzbetrunkener Biker, der inmitten  von zerbrochenen Bierflaschen auf einer Harley-Davidson, Modell EL  Knucklehead, entspannt vor sich hin soff. "Er und seine Kumpels  terrorisieren eine Stadt" stand darunter. Die Nachrichtenagentur  Associated Press (AP) verbreitete das Foto weltweit. Es wurde zur Ikone  einer ganzen Biker-Generation.
  
Jahrzehntelang blieb unklar, wie genau das Bild entstanden war - bis  sich im April 1997 die Autoren des Motorradmagazins "American Rider",  Jerry Smith und Buzz Buzzelli, auf den Weg nach Hollister machten, um  Zeugen der Nacht zu befragen.
 

"Satans Sünder" und die "Motherfuckers"
 
Viele von denen, die an jenem ersten Juli-Wochenende des Jahres 1947  in das Städtchen gekommen waren, hatten ihre Runden auf einer  Harley-Davidson gedreht. Während des Krieges hatte die amerikanische  Motorradschmiede aus Milwaukee, Wisconsin, mehr als 88.000 Kräder für  den Einsatz an der Front produziert. Nach Kriegsende überschwemmten die  Maschinen den US-Markt. Für ein paar Dollar gab es den Viertakttraum für  jedermann in sattem Olivgrün oder Dunkelbraun.
 

Doch nicht alle der angereisten Biker gehörten zur renommierten  Motorradsport-Organisation AMA. Gekommen waren auch Clubs, aus denen  später die Hells Angels hervorgehen sollten, bekannt vor allem durch  Straftaten einzelner Mitglieder. Sie nannten sich "Satans Sünder", die  "Pissed Off Bastards of Bloomington" oder "Motherfuckers". Typen, die  eher auf Randale aus waren.
 
Unter den Besuchern tummelten sich viele ehemalige Soldaten. Junge  Kerle, die noch drei Jahre zuvor in der Normandie gelandet waren, in  Schützengräben gehockt und gegen Hitler-Deutschland gekämpft hatten. Sie  wollten sich amüsieren, den Krieg endlich vergessen und mit Jungs  feiern, die wie sie Freunde im Kampf verloren hatten.
 

Mit der Harley an den Tresen
 
Es prallten zwei Welten an diesem Wochenende in der amerikanischen  Provinz aufeinander. Traumatisierte Soldaten trafen auf jene, die  daheimgeblieben waren, sich um Frau, Kinder und Weizenfelder gekümmert  hatten.
   
Hollister war auf einen so großen Ansturm Vergnügungssüchtiger nicht  vorbereitet. Mit Lederjacken, Jeans und Stiefeln heizten die  kriegserprobten Nachwuchs-Biker auf ihren Motorrädern durch die  Kleinstadt und fuhren mit ihren Maschinen durch die Kneipentüren bis an  den Tresen. Alkohol floss in Strömen.
 
Es kam zu wilden Schlägereien, Mobiliar ging zu Bruch. Zu viel für  die sieben Polizisten der Stadt, die den Mob nicht unter Kontrolle  bekommen konnten. Sie forderten Verstärkung an. Als die endlich da war,  wurde Tränengas eingesetzt. Eine schnell herangeschaffte Band spielte  Musik auf der Hauptstraße, um die Biker zur beruhigen. 59 Personen  wurden festgenommen. Berichten sollte über diese Vorkommnisse nur die  Lokalpresse. Zunächst. Knapp zwei Wochen später hatte sich die Lage  bereits wieder beruhigt - bis das Bild des Fotografen Barney Peterson um  die Welt ging.
 

"Es war ihm egal"
 
Bei ihren Recherchen in Hollister 50 Jahre später spürten die  Reporter Jerry Smith und Buzz Buzzelli den Mann auf, der auf dem Foto  hinter dem Biker inmitten der zerbrochenen Bierflaschen stand. Es war  Gus De Serpa, ein Filmvorführer aus dem örtlichen "Granada"-Kino.
 
De Serpa hatte an jenem Tag gegen 23 Uhr Feierabend. "Meine damalige  Frau und ich gingen in die Stadt, um uns den ganzen Trubel anzusehen -  dabei gerieten wir zwischen all diese Leute", erinnerte sich De Serpa.  "Sie waren auf dem Bürgersteig, da war auch ein Fotograf. Sie begannen,  mit den Füßen Bierflaschen zusammenzukratzen, wissen Sie, so von der  einen Seite auf die andere. Dann nahmen sie ein Motorrad, und stellten  es direkt in die Glasscherben."
   
Der Mann, der auf dem Motorrad posierte, sei wohl aus einer Bar  gekommen, vermutete De Serpa. "Sie haben ihn einfach überredet, sich auf  das Motorrad zu setzen. Ich sagte zu meiner Frau: 'Das ist nicht  richtig, das sollten sie nicht machen. Lass uns hinter ihnen stehen,  damit sie das Foto nicht machen können.' Ich nahm an, dass sie das Foto  nicht machen würden, wenn ich dort stand. Aber der Fotograf machte  trotzdem eine Aufnahme, es war ihm egal."
 
Auf einer zweiten Aufnahme des Fotografen Barney Peterson, die nie  veröffentlicht wurde, sieht man, dass die Szenerie offensichtlich  arrangiert wurde. Bierflaschen stehen ordentlich hingestellt neben dem  Biker, der jetzt auch eine Jacke mit den Insignien der "Tulare Raiders",  einem lokalen Motorradclub, trägt. Einem Gerücht zufolge soll es sich  bei dem angeblichen Biker um Eddie Davenport, Spitzname Maurice,  handeln, mehr weiß man nicht. Unklar ist bis heute, ob Eddie überhaupt  ein Motorrad hatte. Barney Peterson, den Fotografen, kann man nicht mehr  fragen. Er starb vor ein paar Jahren.
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